Stadtmeisterschaft 2025: Es bleibt in der Familie
Ein Fazit der Stadtmeisterschaft 2025 und wie immer ein humorvoller Blick auf die sozialen Facetten des Schachspiels von Thanh Hai Stephan
Die letzte Runde der Erwachsenen- und Jugendstadtmeisterschaft 2025 wartete mit interessanten Paarungen auf. Nachdem es im Vorfeld einiges Rätselraten um die nicht nachvollziehbaren Buchholz-Wertungen gegeben hatte, die durch einen gekonnten Handgriff von Alexander Mönius bei den Turniereinstellungen korrigiert werden konnten, kristallisierte sich zum Ende der 4. Runde eine interessante Kombination an Brett 1 heraus:
Lukas Schulz kam die undankbare Aufgabe des schachlichen Patrizides zu: Wie in der griechischen Mythologie erst Kronos Uranus entmachtete und daraufhin durch seinen eigenen Sohn Zeus vom Thron gestoßen wurde, so würde auch hier absehbar der Sohn den Vater übertreffen müssen. Eine Geschichte, so alt wie die menschliche Kultur.
Nicolas Leiß, welcher bis zur 4. Runde siegreich aus jeder Partie hervorgegangen war, jedoch dann gegen Lukas unterlag, würde Christian Schirl gegenübertreten, welcher sich bei seinem Remis gegen Tobias Schwarzmann etwas verrechnet hatte und eine ungünstigere Zweitwertung akzeptieren musste. Alexander Mönius setzte am Zweiten Spieltag in der 3. Runde aus, um sich von einer durchwachten Nacht zu erholen und konnte am Sonntagmorgen erfrischt gegen Holger Schwarzmann gewinnen. Zur Erinnerung: Das Nichtantreten („Bye“) war bis zur 3. Runde unter Punkteteilung möglich, eine Entscheidung, die vor allem den Zeitplänen der Teilnehmenden Rechnung tragen sollte und auch Schachfreunde mit eventuellen Verpflichtungen am Freitagabend oder Samstag zur Teilnahme ermutigen sollte.
Überhaupt verlief der Samstag äußerst positiv. Über das Schüler-Turnier wurde an anderer Stelle schon berichtet, bei den Erwachsenen und Jugendlichen verliefen die 2. und 3. Runde zwar ruhig, jedoch nicht ereignislos. Allgemeine Erheiterung verursachte eine ungewöhnliche Störung der Turnierruhe: Die Stille im Spielzimmer wurde mit einem Mal von leisen Schnarchgeräuschen durchbrochen, als ein erschöpfter Turnierleiter sich für wenige Minuten erlaubt hatte, die Augen zu schließen. Die Turnierleitung hat traditionell mal mehr oder minder streng über die Turnierruhe zu wachen, doch wer bewacht die Wächter?
Relativ früh gelang es Konstantin Gebhardt an Brett 7 Christof Munz zu besiegen. Beide hatten zuvor einen Punkt erhalten. Holger Schwarzmann besiegte Daniel Kern, dessen Bruder Jason Kern erging es ähnlich gegen Martin Lenz.
Zuletzt spielten noch Christian Schirl gegen Nicolas Leiß an Brett 2 und Alexander Mönius gegen Michael Brunsch an Brett 3, Nasibullo Komilov und Tobias Schwarzmann fochten an Brett 4, während an Brett 1 Lukas Schulz und Horst Schulz ihre Schicksalspartie austrugen. Um halb vier, 90 Minuten nach Beginn der letzten Runde erschütterte ein erneutes Raunen die Hallen der Stille: Horst Schulz bot Remis, was im Tierreich einer entblößten Kehle und einer Bitte um Gnade gleichkäme. Doch Lukas zog und spielte weiter – es blieb spannend.
Doch entgegen der Erwartungen war Brett 1 nicht die Hauptattraktion in dieser Runde, sondern Brett 2, wo Nicolas Leiß, der überraschende Spitzen-Performer des Erwachsenen-Turniers, mit Christian Schirl focht. Nicolas war mit 3 Siegen etwas favorisiert in die Partie eingestiegen, da Christian – wie oben berichtet – mit Tobias Schwarzmann ein Remis vereinbarte. Auch diesmal sollte ihm dies gelingen, Nicolas konnte sich damit aber den wohlverdienten 2. Platz in der Rangliste sichern, vor Tobias Schwarzmann. Platz 1 ging – was vorauszusehen war – an Lukas Schulz, welcher Horst Schulz schließlich (symbolisch) niederrang.
Neben dem üblichen „Siegertreppchen“ wurden auch Ratingpreise vergeben: Bester in der Kategorie DWZ <2000 wurde ebenfalls Nicolas Leiß, bester Senior und damit Senioren-Stadtmeister wurde Michael Brunsch vor Horst Schulz, punktgleich, am Ende entschied die Drittwertung.
Valentin Rudloff gewann den Ratingpreis <1500 DWZ und den Titel des Jugend-Stadtmeisters. Diesen musste er sich am Ende in einem Stechen mit Konstantin Gebhardt ausblitzen, da beide mit 2 Punkten gleichauf lagen.
Das Fazit vom ersten Vorsitzenden Christian Koch zur Stadtmeisterschaft: Ein Format, das Zukunft hat.
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